STEFAN COOLS (DU)

Liquidarium Meconii

11. März bis zum 3. Juni 2018
Als Botaniker ist Stefan Cools ein unverwechselbarer Fremdkörper unter den unzähligen Künstlern, die in den letzten Jahrzehnten im Odapark ausgestellt haben. Mit einer wissenschaftlichen Präzision forscht er künstlerisch an Prozessen in der Natur. Die letzten fünf Jahre untersuchte er insbesondere die Transformation des Schmetterlings. Im Odapark zieht er eine vorläufige Bilanz.

Von Cees de Boer
Stefan Cools (Sittard 1981) ist ein multidisziplinärer Künstler und Botaniker. Seine Arbeit ist auf dem neuesten Stand der Kunst und Wissenschaft. Hierbei ist die Natur seit Beginn seiner Karriere die inspirationsquelle für seine Arbeit. Seit 2013 steht der Schmetterling im Mittelpunkt der künstlerischen Forschung dieses autodidatiktischen Künstlers. Insbesondere ist der Transformationsprozess des Schmetterlings das aktuelle Thema seiner Kunst.

Wunder und Wissenschaft
Die Basis der Kunst von Cools ist das Wunder der Natur. Sein eigenes Staunen über ökologische und physiologische Prozesse bei Planzen und Tieren stimuliert ihn als Künstler. Es ist auch dieses Wunder, das er gerne seinem Publikum vermitteln möchte.
Dennoch versucht Cools die Natur zu ergründen und er geht fast wissenschaftlich bei seiner künstlerischen Forschung zu werke. Er verwendet wissenschaftliche Methoden wie Beobachtung, Deduktion und Induktion, um ein künstlerisches Ergebnis zu erzielen, wobei er mit der Präzision eines akademischen Forschers arbeitet. Das Ergebnis ist jedoch immer Kunst. Sein Drang, die Natur zu ergründen, zielt nicht darauf ab, um wissenschaftliche Fakten festzulegen, sondern die Wunder der Natur durch die Form der Kunst noch durchdringender beim Betrachter sichtbar zu machen.

Schmetterling in Form
Mit botanischem Grundwissen findet Cools im Schmetterling das ideale Studienobjekt. Für einen forschenden Künstler bietet dieses kleine und zerbrechliche Insekt eine Komplexität, die dauerhaft inspiriert. Er betrachtet alle Aspekte genau: die Raupe, die fast immer auf einer einzigen Wirtspflanze lebt und untrennbar mit der einheimischen Natur verbunden ist, die geheimnisvolle Verwandlung in einen Schmetterling, aber vor allem das mysteriöse Mekonium, das während des Entpuppens freigesetzt wird.
Die Tatsache, dass Schmetterlinge, genau wie Menschen, einen „ersten Stuhlgang“ haben, fand Cools während einer Ausstellung in Maastricht 2013 zufällig heraus. Für die Wissenschaftler ist dies eine bekannte Tatsache, aber was das Mekonium bei Schmetterlingen genau ist, und woraus es besteht, ist bis heute ein Geheimnis. Das Mekonium ist sehr konzentriert und voller Farben. Es ist eine Farbe, die dauerhaft ist uns daher als Pigment verwendet kann. Darüber hinaus gibt es verschiedene Farben des Mekoniums, abhängig von der Schmetterlingsart. Die Farben, die Cools bisher entdeckt hat, sind rot, orange, gelb, ocker, voilett und giftgrün.
Die Forschung, die Cools verrichtet, hat immer ein anderes Ergebnis. Er nimmt die Resultate als Künstler immer wieder neu auf. Er möchte sich nicht auf ein festes künstlerisches Medium festlegen, sondern lässt sich immer für seine Arbeit von der Forschung und dem Ergebnis inspirieren. Auf diese Weise fängt er den Schmetterling (und seine eigene Verwunderung) immer wieder in einer anderen Form ein.

Künstlerische Forschung in wissenschaftlicher Tradition
In seiner künstlerischen Forschung scheut Stefan Cools die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft nicht. Tatsächlich benutzt er die Wissenschaft für seine eigene Arbeit. An totaler Freiheit ist Cools nicht interessiert. Lieber lässt er sich von der Wirklichkeit undden Tatsachen der Natur füttern. Diese sind schon wunderbar genug.

Kooperation Universität Maastricht
In seiner Suche nach dem Ursprung des Mekoniums arbeitet Cools unter anderem mit dem Maastrichter Wissenschaftsprogramm der Universität Maastricht zusammen. Die Studenten haben, zusammen mit Cools, die Zusammensetzung und Eigenschaften des Mekoniums des Eulenfalters, Caligo memnon, untersucht. Da keine vergleichbare Forschung auf dem Gebiet des Mekoniums durchgeführt wurde, ist jedes Ergebnis definitiv einzigartig und daher nicht überprüfbar.
Das Mekonium besteht unter anderem aus Exkrementen und Hormonen. Aber die genaue Zusammensetzung ist selbst mit verschiedenen wissenschaftlichen Techniken nicht herauszufinden. Aus der Forschung sind jedoch diverse neuen Fragen entstanden, mit denen Cools und die Universität weiterarbeiten werden.
Da die regulären wissenschaftlichen Techniken keine schlüssigen Antworten lieferten, haben Cools und die Studenten begonnen, mit anderen Forschungsmethoden zu arbeiten. Zum Beispiel haben sie Farbstudien durchgeführt und Zeichnungen angefertigt, um den Unterschied zwischen einem Männchen und einem Weibchen beim Caligo memnon besser zu verstehen, was mit dem bloßem Auge schwer zu erkennen ist.

Wissenschaftliche Tradition
Cools verwendet in seinen Arbeiten verschiedene Arten von Farbstudien. Er arbeitet mit RAL-und Pantone-Karten. Ein besonderes Detail ist, dass die Farbkodierung in der Vergangenheit von Ornithologen entwickelt wurden, um bestimmte Vögel zu kartografieren. Cools verwendet ähnliche Techniken, um die Farben des Mekoniums zu identifizieren und zu unterscheiden.
Cools steht auch in der Tradion des botanischen Zeichnens, eine Kunstform, die im 16. Jahrhundert entstand, als Illustrationen gemacht wurden, die wissenschaftlich korrekt sein mussten. Durch das Zeichnen kann eine Pflanze oder ein Tier auf die richtige Weise identifiziert werden, ohne den Organismus zu beeinflussen. Dies ist eine Technik, die Cools verwendet, um die Anatomie des Schmetterlings besser zu verstehen, ohne den Schmetterling selbst zu berühren. Neben dem Schmetterling hält Cools auch den Flug des Insektes fest, in dem er diesen zeichnet.